“Mein Rat an Unternehmer: Ihr braucht eine klare Vision” - Interview mit Flixbus-Gründer André Schwämmlein

Die drei FlixBus Gründer sind auf dem Bild zu erkennen

Disruptiv denken, disruptiv handeln. André Schwämmlein (r. i. Bild) hat mit FlixBus der Deutschen Bahn das Fürchten gelehrt. André Schwämmlein hat drei Lehren aus seiner Erfolgsstory gezogen, die er Unternehmen mit auf den Weg gibt. Jetzt reinlesen!

Wer vor einigen Jahren von Hamburg nach Berlin fahren und das Flugzeug vermeiden wollte, hatte eigentlich nur zwei Optionen: Eine private Fahrt organisieren oder in den Zug steigen. Dank der Deregulierung des Fernverkehrs haben Kunden eine weitere Möglichkeit: Sie können einen Platz im Fernbus buchen, der in der Regel deutlich günstiger als die Deutsche Bahn ist.

Gab es früher noch verschiedene Fernbusanbieter wie den Postbus oder MeinFernbus, wird der Markt jetzt deutlich von einem einzigen Player dominiert: Die knallgrünen Fahrzeuge des Münchner Unternehmens FlixBus haben den Markt erobert. Sie sind inzwischen nicht nur in Deutschland und den europäischen Nachbarländern unterwegs, sondern bauen auch ihr Netz in den USA aus. Wie haben es die Gründer in so kurzer Zeit so weit gebracht? Im Gespräch mit smapOne verrät André Schwämmlein, einer der Geschäftsführer und Gründer von Flixbus, sein Erfolgsrezept!

Daten analysieren, Kundenbedürfnisse verstehen

Ein Unternehmen aufbauen, selbstständig arbeiten - das war schon lange der Traum der Studienfreunde André Schwämmlein, Jochen Engert und Daniel Krauss. Sie hatten eine Liste mit rund 50 Ideen, die für ein Geschäftsmodell in Frage kamen. Nach der Deregulierung des Fernverkehrs kam eine weitere Idee hinzu: Auf der Rückfahrt von einem Ski-Ausflug überlegten sie, ob ein Fernbus-Unternehmen Erfolg haben könnte. Ein Jahr lang zögerte das Trio aber - denn die Freunde gingen davon aus, dass die Deutsche Bahn in den Markt einsteigen würde. “Im Nachhinein betrachtet glaube ich, dass das unser größter Fehler war, weil wir hinterher mit harter Arbeit aufholen mussten, was wir ein Jahr lang verpasst hatten.”

Doch die Deutsche Bahn beging 2011 einen noch größeren Fehler als ein Vorstandsmitglied  in einem Interview verriet, dass die Bahn keine Investitionen in den Fernbus-Markt plane. Der Startschuss für FlixBus war gefallen. “Das war der Moment, in dem ich mit meinen Mitgründern zusammengekommen bin und wir haben gesagt: Gut, wir machen das jetzt”, erinnert sich André Schwämmlein. 2013 rollte der erste FlixBus über eine deutsche Autobahn und die disruptive Kraft des Start-Ups entfaltete ihre Wirkung auf die deutsche Transportbranche. Denn die FlixBus-Gründer “hatten keine Ahnung von Bussen” und stellten auch keinen einzigen Busfahrer an. Stattdessen arbeiteten sie daran, ein kundenfreundliches Liniennetz auszubauen und schlossen Verträge mit Busunternehmern ab, die im Auftrag von FlixBus unterwegs sind. Das Konzept ging auf und André Schwämmlein hat drei Lehren aus seiner Erfolgsstory gezogen, die er Unternehmen mit auf den Weg gibt.

1. Eine klare Vision entwickeln

In den ersten Jahren nach Öffnung des Fernverkehrs konkurrierten verschiedene Unternehmen in Deutschland um die Marktmacht. FlixBus stieg von Anfang an mit einem hohen Anspruch in den Wettbewerb ein: Denn die Gründer gingen davon aus, dass es auf dem Markt auf Dauer nur einen Sieger geben würde. “Wir haben brutal dafür gekämpft, dieses Unternehmen zu sein”, erinnert sich André Schwämmlein. Gemeinsam mit seinen Co-Geschäftsführern traf er Entscheidungen nicht danach, ob sie FlixBus im kommenden Jahr oder Quartal weiterbringen würden. Der Fokus lag immer auf der Zielvision: In wenigen Jahren wollte das Trio den Fernverkehr dominieren und expandierte daher schnell.

Das Mindset hinter dieser Vision ist am amerikanischen Mark orientiert, insbesondere an den Pionieren des Silicon Valley : Anstatt - wie im deutschen Mittelstand häufig verbreitet - in kleinen Schritten zu denken, hatten die Gründer keine Scheu vor großen Visionen. Damit bieten sie ein Vorbild für Unternehmen, die sich auf dem Weg in die Industrie 4.0 befinden: Nur wer es wagt, außerhalb der bekannten Wegezu denken und visionär über sein eigenes Geschäftsmodell nachdenkt, wird auf Dauer wachsen können.

2. Agil auf Veränderungen reagieren

“Wir haben agil gehandelt, als es dieses Buzzword noch gar nicht gab”, sagt André Schwämmlein. Die Geschäftsführer von FlixBus nutzten von Anfang an ihre gesammelten Kundendaten, werteten diese aus und passten ständig das eigene Streckennetz an die gewonnenen Erkenntnisse über die Bedürfnisse ihrer Kunden an. War eine Linie bei den Fahrgästen besonders beliebt, planten die Unternehmer einen weiteren Bus ein. Gab es nicht genügend Buchungen für einen neu geplanten Bus, wurde dieser gar nicht erst losgeschickt. Die Gründer probierten vieles aus und trafen dabei auch einige Fehlentscheidungen - die sie aber möglichst schnell korrigierten. “Trial and error and trial and error”, fasst André Schwämmlein das Prinzip zusammen. Diese positive Fehlerkultur ist nicht nur für junge Unternehmen zukunftsweisend. Auch Traditionsunternehmen profitieren davon, wenn sie neue Konzepte ausprobieren und deren Scheitern gegebenenfalls hinnehmen.

3. Ein starkes Team aufbauen

Dass FlixBus eine starke Vision hat, wirkt sich auch auf das Recruitment aus. Denn die Gründer bauten sich von Anfang an ein großes und leidenschaftliches Team auf. “Wir hatten nie Angst davor, die nächste Person einzustellen”, sagt André Schwämmlein dazu. Obwohl anfangs viele Kritiker meinten, dass das Unternehmen einen zu großen Personalstamm habe und daher zu ineffizient sei, glaubten die Gründer an ihre Strategie: “Wir haben gesagt: Wir müssen nicht unsere vorhandenen 50 Busse optimieren, sondern auf 2000 Busse aufstocken.” Das Beispiel zeigt: Investitionen, auch in gutes Personal, zahlen sich am Ende aus. Langfristig betrachtet sind Mitarbeiter mit einem visionären Mindset die wertvollste Ressource, die ein Unternehmen voranbringt.

Glaube an die Vision!

Am Ende lässt sich der Erfolg der FlixBus-Gründer womöglich auf einen Leitsatz reduzieren: Nutze die Gelegenheit und glaube an dich selbst!

Millionen zufriedener Fahrgäste auf deutschen, europäischen und inzwischen auch amerikanischen Autobahnen geben den drei Studienfreunden recht.

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