Am von Sven Zuschlag in Industrie 4.0 | Arbeitsplatz der Zukunft

Mensch und Maschine: Kollegen oder Konkurrenten?

Eine Roboterhand

Behutsam greift der menschengroße Roboter ein Metallteil und reicht es an seine Kollegin weiter. Dabei nimmt er auf ihre Bewegungen Rücksicht und stoppt, bevor es zu einem Zusammenstoß kommt. Die Rede ist vom Apas Assistant, den Bosch bereits auf der Hannover Messe 2017 vorstellte. Der berührungslos kollaborierende Roboter ist ein Beispiel dafür, wie Mensch und Maschine in der Industrie 4.0 zusammenarbeiten.

Obwohl in vielen Branchen bereits jetzt Maschinen ganz selbstverständlich neben Mitarbeitern stehen und arbeiten, sind viele Angestellte skeptisch. Sie befürchten, dass Arbeitsplätze durch die vierte industrielle Revolution verloren gehen könnten und sie langfristig von Robotern ersetzt werden.

In diesem Artikel erhalten Sie folgende Informationen über Mensch und Maschine:

  • Laut einer Studie sollen Menschen und Maschinen bis 2030 auf Basis von Technologien in einer “echten” Partnerschaft zusammenarbeiten.
  • Cobots, sogenannte kollaborative Roboter, kommen bereits jetzt in der Autoindustrie zum Einsatz und nehmen Mitarbeitern dort anstrengende Tätigkeiten ab.
  • Künstliche Intelligenz und Algorithmen ergänzen auch im Büroalltag die menschliche Arbeit.

 

Ein neues Verhältnis zwischen Mensch und Maschine

Menschen arbeiten seit Jahrhunderten mit Maschinen zusammen. Derzeit stehen sie jedoch vor dem Beginn einer neuen Ära: Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI) oder das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) eröffnen in Verbindung mit leistungsfähiger IT neue Möglichkeiten für das Verhältnis zwischen Mensch und Maschine. Dieser Trend ist bei vielen Führungskräften bereits angekommen, wie eine Studie des Marktforschungsunternehmens Vanson Bourne im Auftrag des Technologiekonzerns Dell ergeben hat. Unter dem Titel “Realizing 2030: The Next Era of Human-Machine Partnerships” wurden weltweit 3800 Führungskräfte gefragt, wie sie die Kollaborationsmöglichkeiten einschätzen. Das Ergebnis: Bis 2030 sollen Menschen und Maschinen auf Basis von Technologien in einer “Partnerschaft” zusammenarbeiten, die bisherige Barrieren überwindet. Im Einzelnen brachte die Studie folgende Ergebnisse:

  • 80 Prozent der Befragten erwarten, dass Menschen und Maschinen bereits in fünf Jahren in “integrierten Teams” innerhalb eines Unternehmens kooperieren werden.
  • 50 Prozent der Befragten meint, dass automatisierte Systeme Zeiteinsparungen ermöglichen werden. Die andere Hälfte glaubt das nicht.
  • 48 Prozent der Führungskräfte sind der Ansicht, dass mit wachsender Abhängigkeit von der Technik die Risiken im Fall eines Cyberangriffs zunehmen werden.
  • 50 Prozent fordern klare Protokolle für den Fall, dass autonome Maschinen versagen.

Die Führungskräfte sind also unterschiedlich optimistisch, inwiefern der Einsatz von Maschinen die menschliche Arbeit erleichtern wird. Fraglich ist auch, ob Menschen oder Technologien eine höhere Produktivität erzielen. Andreas Klug, Leiter des Arbeitskreises Künstliche Intelligenz beim Digitalverband Bitkom, gibt darauf eine eindeutige Antwort: Cobots, sogenannte kollaborierende Roboter, seien um 85 Prozent produktiver als der isolierte Einsatz von Menschen oder Robotern.

 

Die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Technik

Im Gegensatz zu herkömmlichen Industrierobotern führen diese Cobots nicht nur programmierte Prozesse aus, sondern reagieren auch auf Menschen. Mittels Sensortechnik registrieren sie Bewegungen und Positionen von Mitarbeitern und assistieren diesen, ohne sie einem Verletzungsrisiko auszusetzen. Kommt ein Mensch ihnen zu nahe oder betritt gar ihren Arbeitsraum, stoppen die Cobots oder verlangsamen zumindest ihre Bewegungen.

Die Roboter stellen nur ein sehr offensichtliches Beispiel für die Zusammenarbeit von Menschen und Maschinen dar. Auch im Büroalltag sind Technologien längst angekommen. Wenngleich viele Aufgaben nicht vollständig zu automatisieren sind, erspart der Einsatz von Künstlicher Intelligenz Mitarbeitern bereits jetzt die Übernahme von langwierigen und monotonen Aufgaben. Ein Beispiel bieten Algorithmen, die Mitarbeitern dabei helfen, den Inhalt von E-Mails zu erkennen und sie nach Dringlichkeit zu sortieren.

Anwendungsbeispiele: Kollaborationen zwischen Mensch und Maschine

Bislang klingt die Kooperation von Mensch und Maschine für viele Angestellte nach einer weit entfernten Utopie. Dabei kommen die Technologien bereits jetzt in vielen Branchen erfolgreich zum Einsatz:

  • Die Autoindustrie gilt als Vorreiterin im Einsatz kollaborativer Roboter. In den Produktionshallen von BMW und Ford stehen seit einigen Jahren Knickarmroboter an der Seite menschlicher Kollegen und nehmen diesen körperlich anstrengende oder monotone Tätigkeiten ab oder reichen ihnen Werkzeuge. Die Mitarbeiter konzentrierten sich unterdessen auf die anspruchsvolle Montage von Autoteilen.
  • Die Auswahl geeigneter Mitarbeiter stellt eine der größten Herausforderungen für Unternehmen dar. Algorithmen helfen daher bereits jetzt Personalern, passgenaue Kandidaten im Internet zu finden und ihnen die Stellenanzeige auszuspielen. Folglich erhält ein Unternehmen adäquatere Bewerbungen, als das bislang mit den One-size-fits-it-all-Stellenanzeigen der Fall war.
  • Auch in der Eventbranche kommt künstliche Intelligenz bereits zum Einsatz. Algorithmen berechnen beispielsweise, wann der beste Zeitpunkt ist, um ein Event auf einer Messe zu vermarkten oder welche Anordnung eines Messestandes am besten geeignet ist, um Besucher dorthin zu leiten. Auch für ein passgenaues Einladungsmagement von Corporate Events kommt Künstliche Intelligenz zum Einsatz: Hat der Algorithmus erkannt, dass sich eine Person für ein bestimmtes Event interessiert, kann er sie noch zu weiteren Veranstaltungen einladen mit dem zielgenauen Verweis darauf, welche Speaker dort auftreten werden.

Weder Mensch noch Maschine kommen im digitalen Zeitalter also alleine aus. Das Ziel muss es vielmehr sein, dass beide gemeinsam ihre Stärken ausspielen. Professor Julie Shah von der Interactive Robotics Group vom weltbekannten Massachusetts Institute of Technology beschreibt die Kollaboration so:

“Es ist wichtig zu verstehen, dass es bei dieser Technologie nicht um das Ersetzen von Menschen geht. Es geht darum, die Stärken von Menschen und Robotern optimal zu nutzen, um höhere Stufen der Effizienz und Produktivität zu erklimmen, als dies der Mensch oder Roboter auf sich alleine gestellt können.”

Sven Zuschlag

CEO/Vorstand

Sven Zuschlag

Digitaler Vordenker und Vorstand der smapOne AG. Verantwortlich für Unternehmensstrategie, Märkte und Mitarbeiter. Macher und Brückenbauer innerhalb der digitalen Welt. Bis 2014 leitete er den Solution-Partner-Channel bei Microsoft. Als studierter Diplom-Betriebswirt mit über 21 Jahren Berufserfahrung in verschiedenen Unternehmen und Rollen kennt er die Trends und die Anforderungen von Unternehmen an moderne IT genau.

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