Am von Sven Zuschlag in Arbeitsplatz der Zukunft

Interview mit Inka Grund: “Mein Rat an Chefs: Seid offen!”

Im Interview mit Sven Zuschlag, CEO smapOne, zeigt Inka Grund von Theater Erlebnis in Hannover wie eine positive Fehlerkultur im Unternehmen gelingen kann. Sie macht klar: Fehler sind wichtig und notwendig, um Innovationen im Unternehmen voranzutreiben.

Auf dem Bild sind die Interviewpartnerin Inka Grund und Sven Zuschlag, CEO smapOne, zu sehen

Sven Zuschlag im Gespräch mit Inka Grund

Als Inka Grund gefragt wurde, ob sie smapOne ein Interview geben würde, war sie im ersten Moment verblüfft. “Erst habe ich gedacht: Digitalisierung ist nicht mein Thema”, sagt sie. Denn die Wahl-Hannoveranerin ist keine Unternehmenschefin, sondern Leiterin des “Theater Erlebnis” in der niedersächsischen Landeshauptstadt. Dort ist sie als Schauspielerin, Regisseurin und Theaterpädagogin aktiv. Außerdem leitet sie theaterpädagogische Projekte und Schreib-Workshops für Kinder und Erwachsene.
Auf den ersten Blick unterscheidet sich ihr Arbeitsalltag also von dem vieler Angestellter in Unternehmen. Und doch hat Inka Grund durch ihre Tätigkeit zwei Fähigkeiten erlernt, die in der digitalen Arbeitswelt essentiell sind: Improvisation und einen positiven Umgang mit Fehlern. Denn im Theater muss jeder sein Lampenfieber überwinden und sich auf die Bühne wagen.

Die Angst vor der Blamage

Die Hemmschwelle, sich vor vielen Menschen auf eine Bühne zu stellen, ist besonders beim Improvisationstheater groß. Immerhin weiß niemand im Vorhinein, was passieren wird und welche Impulse die Zuschauer den Schauspielern geben werden. Gerade Theater-Novizen fürchten daher, sich zu blamieren und sprachlos auf der Bühne zu stehen. Anders gesagt: Sie haben Angst, Fehler zu machen und dabei von vielen Menschen beobachtet zu werden.

Im übertragenen Sinne treibt diese Angst auch Angestellte in Unternehmen um: Sie möchten keine Fehler machen, die von Kollegen oder sogar dem Chef bemerkt werden könnten. Aus Furcht um die eigene Karriere wählen viele daher altbekannte Arbeitsweisen, bei denen das Risiko möglichst gering ist. Das belegt eine Umfrage der Unternehmensberatung Ernst & Young unter 800 Mitarbeitern: 18 Prozent der Befragten gaben an, dass Fehler in ihrem Unternehmen nicht angesprochen würden. Die meisten von ihnen befürchteten Nachteile für ihre Karriere oder sogar den Verlust ihres Arbeitsplatzes.

Eine positive Fehlerkultur etablieren

Oberflächlich betrachtet bringt die Angst vor Fehlern viele Vorteile mit sich: Angestellte arbeiten besonders gründlich und gehen keine Risiken ein, die dem Unternehmen schaden könnten. Genau hier liegt jedoch auch ein Problem: Wer immer altbekannte Wege geht, schafft nichts Neues. Folglich hat ein Unternehmen keine Chance, das Geschäftsmodell an die Herausforderungen der digitalen Arbeitswelt anzupassen, solange seine Mitarbeiter befürchten müssen, dass sie für jeden Fehler bestraft werden.

Doch wie schafft man es, seinen Angestellten die Angst vor Fehlern bzw. einer Blamage zu nehmen? Aus Erfahrung weiß Inka Grund: Die Team- bzw. Workshop-Leiter müssen mit gutem Beispiel vorangehen. “Ich kann nicht als Chef hingehen und sagen: "Seid doch mal bereit, Fehler zu machen! Nein, es ist die Kultur, die Atmosphäre, die ich als Chef schaffe.” Um den Teilnehmern die Angst vor dem Auftritt auf der Bühne zu nehmen, stellt sie sich daher als erste vor die Gruppe und verlässt absichtlich ihre Komfortzone. Anschließend haben die auch die Teilnehmer spürbar weniger Hemmungen und probieren sich auf der Bühne aus.

Von dieser Strategie können auch Unternehmer bzw. Team-Leiter lernen: Anstatt sich vor ihren Angestellten als unfehlbar zu präsentieren und keine Fehler zu machen, sollten sie ganz offen von ihren Fehlern berichten und verdeutlichen, dass sich aus diesen für die Zukunft ein Lerneffekt für die Zukunft ergibt. Nur auf diese Weise kann sich eine positive Fehlerkultur entwickeln, die Innovationen ermöglicht und das Unternehmen auf lange Sicht voranbringt.

Brainstorming-Prozesse verbessern

Ein weiterer Lerneffekt, der sich laut Inka Grund aus dem Improvisationstheater ergibt, ist die Fähigkeit zum gemeinsamen Brainstorming im Team. Denn anders als bei anderen Theaterstücken müssen die Schauspieler in diesem Rahmen mit wenigen Ideen zurechtkommen. Indem einer seine Idee mit anderen teilt, auf der andere dann aufbauen, ergeben sich spannende Synergien und neue Konzepte. Aus ihrer Erfahrung heraus weiß die Kulturschaffende jedoch, dass Teilnehmer oft erst lernen müssen, ihre Ideen zu konvergieren. Denn allzu oft würden Impulse sofort von anderen abgelehnt, anstatt sie weiterzuentwickeln. “Man muss sich trauen, etwas anzubieten. Dann kann der Kollege das aufnehmen, umwandeln und zurückschicken. Vielleicht entsteht da was. Vielleicht aber auch nicht”, sagt Grund. Auch hier sei die “Trial and Error”-Mentalität wichtig. Denn wenn sich aus einer Idee nichts entwickele, sollten die Teilnehmer das hinnehmen und noch mal von vorne beginnen.

Sich öffnen, Fehler zugeben und transparent machen, was daraus entsteht - diese Vorgehensweise hat Inka Grund im Theater gelernt und möchte sie Unternehmern mit auf den Weg geben. Denn sie sagt von sich selbst, dass sie immer wieder überrascht und begeistert sei, was Gruppen leisten könnten, wenn sie sich trauen. Teams sollten daher alles versuchen, um einen Vertrauensraum zu schaffen, in dem kreative Arbeit möglich sei.

Ihr Rat an Chefs ist daher: “Seid offen!”

Sven Zuschlag

Sven Zuschlag (CEO)

Sven Zuschlag

Als Vorstand der smapOne AG liegt der Schwerpunkt von Sven Zuschlag auf Strategie und Sales & Marketing. Bis 2014 leitete er den Solution-Partner-Channel bei Microsoft. Als Vertriebsleiter verantwortete er 200 direkt betreute Lösungs-Partner mit ungefähr 550 Niederlassungen. Als studierter Diplom-Betriebswirt mit über 18 Jahren Berufserfahrung in verschiedenen Unternehmen und Rollen kennt er die Trends und die Anforderungen von Unternehmen an moderne IT genau.

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